Ein Kuss in den Highlands - Emily Bold - Rezension

12.11.2014 12:59

Rezension – Ein Kuss in den Highlands – Emily Bold

Kurzbeschreibung:

Als die junge und eigenwillige Charlotte das wunderschöne Anwesen in den schottischen Highlands erbt, fühlt sich zunächst nichts richtig an: Sie vermisst ihre verstorbene Tante, mit der sie früher gemeinsam malte. Und mit dem raubeinigen, wenngleich sehr attraktiven Highländer Matt, der sich um das Haus kümmert, kann sie nicht viel anfangen. Wenn da nur nicht diese Blicke zwischen ihnen wären! Doch Charlotte gehört nun mal nach London zu ihrem Verlobten. Am besten sie verkauft das Haus, so schnell es geht. Aber irgendetwas in ihr sträubt sich dagegen. Und wo sind eigentlich die Bilder, die ihre Tante gemalt hat? Charlotte begibt sich auf die Suche nach verschollenen Kunstwerken, nach sich selbst und der wahren Liebe.
 

Über die Autorin:

 

Emily Bold lebt mit ihrer Familie in einem idyllischen Ort in Bayern mit Blick auf Wald und Wiesen - äußerst ruhig und inspirierend. Sie schreibt Liebesromane, Paranormal Romance und Jugendbücher. "Gefährliche Intrigen", ihr erster historischer Liebesroman, erschien im Mai 2011 bei Amazon als E-Book und landete prompt unter den Top-20 Bestsellern dieses Jahres in der Kategorie Romane. Mittlerweile sind viele weitere Bücher und Novellen erschienen. Ihre Schottland-Trilogie "The Curse" wird in den USA und Großbritannien in englischer Sprache verlegt. Nach Band 1 "The Curse - Touch of Eternity" ist seit Januar 2014 bereits der zweite Band "The Curse - Breath of Yesterday" erhältlich. "Ein Kuss in den Highlands" ist nach "Klang der Gezeiten" Emilys zweiter zeitgenössischer Liebesroman Emily freut sich über Post von ihren Lesern - schreiben Sie ihr: kontakt@emilybold.de oder besuchen Sie Emily im Web: emilybold.de und thecurse.de. Werden Sie Fan bei Facebook: facebook.com/emilybold.de

 

Rezension: Das Überbordwerfen einer versteiften und verkopften Erziehung um zu sich selbst zu finden

In Emilys neuem Buch geht es um Charlotte Finnegan. Eine junge Londonerin, die in einer Kunstgalerie arbeitet und mit dem wohlhabenden Makler Francis Colewell seit Jahren liiert ist. Sie ist hübsch, stets auf den guten Ton bedacht und äußerst intelligent. Ihre einzige Form des tatsächlichen Herauslassens von mancher Unzufriedenheit zeigt sich bei ihr im Zähneknirschen. Als ihr Francis dann auch noch in einem Londoner Szenerestaurant vor unzähligem Publikum etwas überrumpelnd einen Antrag macht, scheint ihr Leben nahezu perfekt zu sein. Aber bekanntlich trügt der Schein und ein jeder sieht, was du scheinst. Nur wenige fühlen, wie du bist. Dies lässt sich auch auf die Protagonistin dieser Geschichte übertragen, denn ihre Welt ist alles andere als perfekt. Vor einigen Jahren verstarben ihre Eltern bei einem schrecklichen Autounfall und hätte Francis sie nicht aufgefangen, so wäre sie an sich und der Last der Trauer zerbrochen. Aber mit der Liebe zu Francis kommt auch ein Preis: Ein Stück weit eine Selbstaufgabe. Ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen ist in den hohen Kreisen, in denen sie sich mit ihm bewegt, geradezu verpönt. Auch Gefühle innerhalb der Beziehung zu Francis sind eher der Nüchternheit erlegen, als das tatsächliche Ausschweife romantischer Zuneigung offenbart würden. Aus der Bahn zu schweifen, anders zu sein und seinen Wünschen und Träumen nachzujagen ist absolut inakzeptabel. Ihren Drang und ihre Sehnsucht nach eigener Kunst werden als Kindheits-Träumerei und Unsinn abgestempelt und eine eigene Meinung, auch in Bezug auf die Ausgestaltung ihrer Hochzeit, darf sie sowieso schon nicht haben. Denn diese wird einzig und allein nach den Vorstellungen der Bräutigam-Mutter geplant und ausgerichtet. Sie meint es ja nur gut mit ihrer vorgespielten Umsicht über das teuerste Kleid der besten Designerin der Stadt und dem tollsten atmosphärischen Rahmen einer Hochzeit, in dem Blumenschmuck und Menü farblich als Kunstwerk fein säuberlich aufeinander abgestimmt sind. Auch das zur Verfügung stellen eines Personal-Trainers um Charlotte an Pfunden verlieren zu lassen, die gar nicht vorhanden sind, ist ihre Form von Fürsorge oder Kontrolle. Ja man könnte meinen, Margarete Colewell meint es nur gut und will nur das Beste für ihre zukünftige Schwiegertochter. Nur leider geht es ihr weniger um Charlotte sondern viel mehr um die Achtung und Aufrechterhaltung der verschnörkelten Fassade, des tadellosen Außenbildes, der Familie Colewell und dem damit verbundenen hohen Ansehen ihrer Person selbst. Etwas, das um jeden Preis gewahrt werden muss und dem sich eigene Befindlichkeiten unterzuordnen haben. IMMER. Margarete ist versnobt und stocksteif. Genauso eben, wie ihr Sohn Francis, der seiner Zukünftigen noch nicht einmal die Chance gibt mit ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ auf den eigentlichen Antrag, der übrigens ohne Ring und ohne ‚Ich liebe Dich‘ ist, zu antworten. Ja, der ihr sogar verbieten will, nach der Hochzeit ihrem Job und somit einziger inhaltlicher und seelischer Erfüllung nachzugehen. Einfach steif, trocken, gefühlsbetäubt und versnobt. Und so ist es auch Charlotte zu Beginn der Geschichte. Sie hat sich und ihr Leben der Macht der Gewohnheit geopfert und realisiert zunächst gar nicht, was da mit ihr und ihren Wünschen eigentlich passiert. Als ein Stück weit Erkenntnis zu dämmern scheint, sucht sie gar die Fehler zunächst bei sich. Um zum eigentlichen Punkt zurück zu kommen, ihr Leben ist nicht perfekt. Noch in-perfekter wird es allerdings, als sie die Todesnachricht ihrer schottischen Tante Helen erreicht und sie sich auf den Weg zur Trauerfeier nach Silvermoor begeben möchte, Francis sie aber davon abzuhalten versucht, im Sinne der bevorstehenden Hochzeit natürlich. Sie fährt dennoch oder gerade deswegen. Aber ohne ihn. Denn ihm sind berufliche Termine wichtiger als eine ‚so elende und leidige Sache, wie eine Beerdigung‘ (O-Ton Francis) und die Trauer dabei ist ihm schon völlig fremd. Charlotte nicht. Sie fühlt sich allein gelassen. Ihre Tante war ihre letzte Verwandte und mit ihr verband sie, trotz zu weniger Besuche in Schottland, weit mehr als nur Blut. Die Liebe zur Kunst, zum Malen, zum Sichselbstsein.

Als Charlotte in Schottland ankommt, trifft sie auf den rauen, ungehobelten, unrasierten, frechen und dennoch überaus anziehenden Schotten Matt. Matt ist der Sohn des Hausverwalters von Silvermoor, dem Anwesen Helens und hat aufgrund von Krankheit seines Vaters die Arbeiten an dem Haus übernommen. Das Zusammentreffen verläuft alles andere als normal und den Konventionen entsprechend. Und würde Charlotte fluchen können, sie hätte es sicher bei dem zwischen den beiden aufkommenden Missverständnis getan. Aber der gute Ton erlaubt dies nicht. Auf Silvermoor wird es für Charlotte spannend, gefühlsverwirrend und erkenntnisreich. Matt wird sie durcheinander bringen, in jeder Hinsicht. Seine Attraktivität und sein Spiel sie aus der Reserve zu locken, weil auch sie ihn nicht ganz kalt lässt, trotz seiner traurigen Vergangenheit, entfachen ein Katz-und-Maus-Gefecht zwischen den beiden, das alles verändern könnte. Er will sie aus sich herausholen. Sie zu sich selbst führen. Auch die Testamentsöffnung hält einige Überraschungen für Charlotte bereit und ein versteckter Kunstschatz, auf dessen Suche sie sich gemeinsam mit dem verführerischen Schotten begibt, der in ihr ein ungeahntes Verlangen weckt, werfen neue Fragen auf. Zudem wird sie einiges aus ihrer Vergangenheit ergründen, versteckte Erinnerungen wiederfinden und eine erschreckende Erkenntnis über ihre nahe Vergangenheit aufdecken. Sie wird sich, ihr Leben, ihre Wünsche und ihre Liebe zu Francis hinterfragen. Aber ob die Antworten, die sie findet, zufriedenstellend sein mögen, bleibt herauszufinden. Dafür müsst ihr diese Geschichte schon selbst lesen und es lohnt sich. Mehr als das sogar.

‚Ein Kuss in den Highlands‘ ist eine sehr schöne Liebesgeschichte um den Weg der Selbstfindung und das Suchen und Finden seiner versteckten 'Wohlfühlecke'. Etwas, das ein jeder von uns hat, um den Sorgen des Alltags entfliehen zu können. Wenn auch nur für einen kurzen Moment. Es hilft beim Wiederauftanken. Beim Kraftfinden. Für Charlotte sind das Schlabberpulli und bunte Wollsocken, derer sie sich erst wieder traut sich zu bedienen, als sie schon einige Zeit in Schottland ist. ‚Ein Kuss in den Highlands‘ ist eine Geschichte über das Ausbrechen aus der Selbstverleumdung, dem Abbröckeln der Fassade und dem Greifen nach echten Gefühlen.

Emily schafft es mit ihrem malerischen und gefühlvollen Schreibstil wieder einmal eine real wirkende Kulisse für ihre Geschichte zu kreieren, die so von Echtheit strotzt, dass man sich als direkt Betroffener durch die idyllische Landschaft der Highlands von Schottland reisend wiederfindet.

„Der Regen fiel in regelrechten Fäden vom Himmel und bildete zu ihren Füßen Pfützen in der Größe von Loch Ness.“

„Es war, als würde selbst das Wetter Helens Tod betrauern.“

Auch die Protagonisten wirken greifbar und nahbar, sodass man nicht anders kann, als so zum Beispiel an mancher Stelle gemeinsam mit Charly zu erröten. Und bei Matt sage ich nur so viel: Er ist eben ein stolzes Stück Schottland :) Emily vereint in ihren Worten Witz, Charme und ganz viel an Emotionen.

"Ihr Kopf musste neben ihren roten Wangen blass wirken, und selbst auf der Internationalen Raumstation würden sich die Besatzungsmitglieder über das plötzliche Glühen wundern, das bis zu ihnen hinauf zu sehen sein musste.“

Auch in der Namensgebung trumpft Emily auf, denn Charlotte bedeutet ja mehr oder weniger 'die Freie' und so passend im Sinne der Selbstfindung,da sie ja auch ein Stück Freiheit zurück erlangt.

Ein kleiner Ausblick am Ende hätte mich natürlich auch noch glücklicher gemacht, als ich es ohnehin schon mit dem Buch bin. Für meinen Geschmack hätte es auch noch ein bisschen mehr an Sinnlichkeit und Leidenschaft vertragen können. Die Geschichte hat mir (wie von Emily’s Werken schon gewohnt) wieder einmal sehr gut gefallen. Es ist unglaublich schön auch mal etwas Unerwartetes zu lesen (in Bezug auf die Selbstfindung) und ich hab mich in vielerlei Punkten in Charly wiedergefunden. Ich kenne das bei mir auch noch von früher mit dem sehr verkopft und zu anständig zu sein. Da war es absolut befreiend mitzulesen, wie sie ihre andere Seiten und ihr eigentliches Ich findet. Und das Matt ihr dabei hilft und sie auch ein Stück weit zu ihren alten Wurzeln zurückfindet, war umso einnehmender. Man sollte eben Dankbarkeit und Hilfe sowie Beistand nicht mit Liebe verwechseln und nicht aus einem Pflichtbewusstsein heraus sein Leben leben. Klar hat Francis ihr sicher zu seiner Zeit geholfen, aber doch auch mehr aus Eigeninteresse heraus, denn ihre Vorlieben, Talente und Fähigkeiten haben ihn ja nie wirklich interessiert. Da ist es schön, dass sie in Matt jemanden wiedergefunden hat, der sie und alles, was sie ausmacht, nicht nur respektiert sondern auch fördert und unterstützt und eben genau diesen Menschen liebt und nicht das nach außen gezeigte und perfekt einstudierte Bild. Am Ende kehrt eben doch das wahre Aussehen zurück, während das vorgetäuschte verschwindet.

Eine sehr schöne Geschichte, und liebe Emily, ich würde sehr gerne mehr davon lesen.

Du meine Güte, natürlich meine absolute Leseempfehlung an Euch.

 

---Jil Aimée