Rezension – Der Sehnsucht wildes Herz – Emily Bold

15.01.2015 15:44

Rezension – Der Sehnsucht wildes Herz – Emily Bold

Kurzbeschreibung:

Sarah Olsen ist es gewohnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, seit ihr verstorbener Vater beinahe den gesamten Besitz am Spieltisch verloren hat. Darum schlägt sie sich jede Nacht, in der Hoffnung auf Silber, in der verlassenen, aber ehemals ertragreichen Silbermine um die Ohren. Als sich die Bande des gefürchteten Verbrechers Star ausgerechnet in ihrer Mine verschanzt, scheint das Glück sie endgültig zu verlassen. Um ihre Farm zu retten, lässt sie sich auf den einzigen Mann ein, der es mit einem Verbrecher wie Star aufnehmen kann: den verrufenen Kopfgeldjäger Trevor Nolan. Aber der schwarzäugige Outlaw lebt nach seinen ganz eigenen Gesetzen – und seine Dienste haben einen Preis. Doch ohne einen Penny in der Tasche gibt es nur eines, das die schöne Sarah ihm bieten kann …

Historischer Liebesroman mit 272 Seiten in der Print-Ausgabe.

Angaben zur Autorin (gemäß Amazon):

Emily Bold wurde 1980 in Mittelfranken geboren, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern lebt. Sie schreibt Liebesromane, Paranormal Romance und Jugendbücher und blickt mittlerweile auf fünfzehn deutschsprachige sowie sechs englischsprachige Bücher und Novellen zurück, die den Lesern viele romantische Stunden, und Emily Bold eine begeisterte Leserschaft beschert haben. Roman Nr. 16 ist bereits in Arbeit. Über das Schreiben sagt sie: "Schreiben ist für mich Entspannung, Passion und Leidenschaft. Mit meinen eigenen Worten neue Welten und Charaktere zu erschaffen ist einfach nur wundervoll."

Emily freut sich über Post von ihren Lesern - schreiben Sie ihr: kontakt@emilybold.de oder besuchen Sie Emily im Web: emilybold.de und thecurse.de.
Werden Sie Fan bei Facebook: facebook.com/emilybold.de

 

Rezension: Wenn der Ruf des Wilden Westen lockt, so beschütze deinen Frauenrock – oder auch Der Liebe Herz ist dem gegeben, der es schafft mit Ehr im Westen zu überleben

"Hätten wir sie mitfahren lassen, wär sie nur im Weg gewesen... und ich wär mit ihr im Bett gelandet." (~ Film Wild Wild West)

Mit diesem Zitat muss ich einfach meine Rezension zu Emily Bold’s neuestem Meisterwerk ‘Der Sehnsucht wildes Herz’ beginnen. Warum? Weil es einfach so unschlagbar passend ist. Passend für den Verlauf der Geschichte. Passend für ihre Charaktere. Und passend einfach deshalb, weil ich binnen der ersten Seiten direkt in das Leben des Wilden Westen eingesogen wurde. Und das obgleich dies mein erster Historical von Emily ist. Sozusagen meine Feuertaufe und eine neue Erfahrung für mich als Leser. Und was für eine das war. Aber dazu später mehr…

Sarah Olsen – eine schlagfertige Powerfrau mit goldblondem Haar und Pickel in der Hand – ist vor allem eines: verzweifelt. Es ist 1886 und sie lebt alleine auf einer Ranch nahe Silver Reef, Utah. Dort versucht sie sich seit des Ablebens ihres Vaters und dem von ihm durch Spielsucht getriebenen vererbten Nachlass der Armut so gut es eben geht durchs Leben zu schlagen. Außer ihrer Ranch, ein paar wenigen Longhorn-Rindern und der nahezu aussichtslosen Hoffnung auf das Finden einer Silberader in der nahegelegenen eingestürzten Mine, ist ihr nichts geblieben. Nichts, außer ihrem Stolz, ihrer Eigenständigkeit, ihrem Starrsinn gegenüber gesellschaftlichen Konventionen und ihrer untrüglichen Hoffnung. Wie sie in jedem neuen Morgen einen Neubeginn sieht und in jeder Nacht einen Abschied, so glaubt sie fest an bessere Zeiten.

“Der hatte sein nachtschwarzes Kleid bereits abgelegt, […].[…] Dabei liebte sie diesen Übergang von Nacht zu Tag, wenn die Welt durch das Licht neu geboren wurde.”

So schuftet sie sich beinahe ohne Unterlass und Pause durch die von Trümmern quasi unpassierbare Mine in der geringen Aussicht auf einen Fund, der ihr den nötigen Ertrag zum Erhalt ihres Zuhauses einbringen könnte. Dabei ist sie waghalsig und begibt sich mit ihrem treuen Begleiter – dem Pferd Smoke – mehr als nur einmal in Gefahr. Dies geschieht natürlich sehr zum Missfallen der Bewohner von Silver Reef – allen voran dem Marshal Buck Wilkins und dem Deputy Lester Mason, dessen Umwerbungen sie vehement ablehnt. Lester ist ihr ältester Freund und hilft ihr bei all jenen Arbeiten auf der Ranch, die eine Frau alleine nicht zu bewältigen vermag. Nur zu gerne würde er sie sich zur Frau nehmen und in der Stadt bei ihm in Sicherheit wissen. Aber für Sarah gehen die Gefühle nicht über Dankbarkeit und Freundschaft hinaus, obendrein liebt sie ihre hart erarbeitete Unabhängigkeit und sehnt sich nach ihrer eigenen Freiheit. So bleibt sein Werben vergebens und Sarah weiterhin eine Außenstehende von Silver Reef.

Silver Reef, jene Stadt, die einst als ‘Oase des Wohlstands’ für ihre Bewohner und Zureisende galt. Der Knotenpunkt im Silbererwerb, denn in den Minen des angrenzenden Leekly Mountain strotzte es angeblich nur von Silberadern. Die Stadt schien praktisch ein wahres Silberriff zu sein, das sich in den umliegenden Bergen erhob. Dies machte die Stadt nicht nur für Goldgräber, Kaufleute und die Einheimischen interessant, sondern auch für jede Menge diebisches Gesindel. Aber das war alles vor der großen Explosion, die die Minen um den Berg zum Einsturz und das Silberschöpfen zum Erliegen brachte. Jetzt dient Silber Reef mit der einen langen Straße nur noch als Stadt zum Proviantkauf. Einem Ziel, dem sich auch Sarah, der langsam aber stetig die finanziellen Mittel abhandenkommen, immer wieder nähern muss, um notwendiges Utensil zum Überleben zu erwerben. Auf einer ihrer Touren trifft sie dort eines Tages am Saloon auf den gefürchteten Kopfgeldjäger Trevor Nolan. Eine Begegnung, die ihr Leben verändern wird. Denn so stark und attraktiv, wie er mit seinen nachtschwarzen Augen, Haar und muskelbepackter Brust auf sie anziehend wirkt, so gefährlich, gerissen und gefürchtet ist er. Er bringt ihre Welt ins Wanken und verfolgt sie in unzüchtige und überaus erotische Träume, die sie nur zu gern Wirklichkeit werden lassen würde.

Dann kommt es Schlag auf Schlag: Ein Feuer bricht aus und droht mit absolutem Ruin für Sarahs Farm, Lester verschwindet ohne jeglichen Grund einfach spurlos und Sarah entdeckt die gefürchtetste Ganovenbande im Wilden Westen um den berühmt-berüchtigten grausamen Star, als diese eine Leiche in ihrer Mine verstecken. Sie scheint in Lebensgefahr. Was soll sie nur tun? In ihrer Verzweiflung gibt es für sie nur einen, an den sie sich wenden kann und ob dieser ihr helfen wird und zu welchem Preis bringt Sarah in noch weit schlimmere Gefahren, als bisher befürchtet…

An dieser Stelle mache ich einen Cut, denn ich möchte dieser absolut fesselnden Geschichte mit ihren mitreißenden Wendungen und erotischen Höhepunkten die kleinen prickelnden Schätze nicht vorweg nehmen. Ich hoffe, Euer Interesse ist geweckt und Ihr schnappt Euch schnell ‘Der Sehnsucht wildes Herz’ als Eure nächste Lektüre. Ansonsten könnt Ihr nur schwerlich auf folgende Fragen Auskunft finden und diese Antworten alleine sind schon mehr als lohnenswerter Grund in das Wild-West-Historical einzutauchen:

  • Welche Geheimnisse verbirgt Trevor Nolan hinter seiner gestählten Brust und seinem scharfen, durchdringenden Blick?
  • Und wie passt Sarah in dieses ganze Wirrwarr bzw. ist es ihr möglich seine Mauern einzureißen und der Fassade trügerische Maskerade Lüge zu strafen?
  • Werden sich ihre erotischen Träume erfüllen oder bleibt ihre Sehnsucht nach echten Gefühlen ungestillt?
  • Welche Rolle spielt ein alter Indianerstamm um die Rettung der Stadt und vielleicht sogar Sarahs Hab und Gut?
  • Und aus welchen Gründen baut Sarah tiefe Gefühle und eine starke emotionale Bindung zu Jake – einen bisher von mir unerwähnten Charakter – auf?
  • Wird sie am Ende doch Lesters Werbungen nachgeben oder bleibt er für immer verschwunden und fristet sein Fortleben als vage Erinnerung Sarahs?
  • Wie wird der bevorstehende Machtkampf um Stars Gang seinen Abschluss finden und wer überhaupt ist dieser von allen gefürchtete Mann?
  • Was wird aus der Leiche in ‘Sarahs Mine’ und gibt es tatsächlich noch Silber?
  • Aber die wohl entscheidendste Frage: Welchen Tribut verlangt das Leben im Wilden Westen von Sarah und ihren Begleitern durch dieses Abenteuer und ist ihr Herz stark genug den Preis dafür zu tragen?

Mit ‚Der Sehnsucht wildes Herz‘ hat mich Emily endgültig auch für historische Erzählungen begeistert. In meiner Jugendzeit  -  und ja, das ist schon eine Weile her – las ich des Öfteren Historicals, verlor aber irgendwann die Lust an ihnen. Wie das so ist, verändern sich Geschmäcker, wie man selbst es auch tut, über die Zeit. Emily hat es aber mit dieser Erzählung geschafft, mir aufzuzeigen, dass ich sie immer noch liebe und es die Zeit vielleicht wieder wert ist, in sie einzutauchen. Sie hat gewissermaßen meinen Durst mit ihrer malerischen Beschreibung -

“Sie sah in den Himmel, wo die glühende Sonne ganz offensichtlich ihr Bestes gab, ihren Verstand zu zerkochen – […]”

– geweckt, der nur durch weitere Romane dieses Genre gestillt werden kann. Vielen lieben Dank dafür. Im Speziellen gefiel mir Emilys unverkennbarer Schreibstil, der einen in die Geschichte entführt und einem den ein oder anderen Seufzer, ganz viel Gefühl und ein paar Herzaussetzer beschert. Sie hat es wieder einmal geschafft mit Eleganz und Charme in ihren tiefgründigen Charakteren zu überzeugen und eine Kulisse des Wilden Westen illusioniert, wie man sie sich direkt vor Augen beim Lesen erträumt. Es ist spannend, unsagbar schnelllebig im Lesefluss und purer Nervenkitzel der angenehmen Art. Dabei beschreibt sie ihre Szenerie greifbar und echt und gibt dem Ganzen mit malerischem Kalkül den nötigen Feinschliff, sodass man quasi mit auf Smoke aufsattelt und die brennende Sonne in seinem Nacken spürt. Durch die Verwendung zeitgemäßer Begriffe gewinnt die Geschichte umso mehr an Authentizität und wirkt haptisch. Lediglich das Cover hat mich nicht ganz abgeholt. Dies liegt hauptsächlich daran, dass ich mir Trevor beim Lesen einfach anders vorgestellt habe :)

 

Liebe Emily, vielen Dank für den aufregenden Ritt durch den gefürchteten Westen im 19. Jahrhundert und bitte mehr davon.

 

--Jil Aimée