Rezension – Keine Ahnung, ob das Liebe ist: Poetry – Julia Engelmann

18.09.2018 13:51

[WERBUNG Danke an den Verlag für das Zusenden eines Rezensionsexemplars. Dieser Umstand hat keinen Einfluss auf meine ehrliche Meinung.]

 

Kurzbeschreibung

Poetry-Autorin Julia Engelmann begeistert seit ihrem mitreißenden Debüt »Eines Tages, Baby« mit ihrer besonderen Sprache und Melodie. In ihrem neuen Gedichtband schreibt sie frisch und einfühlsam über die Liebe und das Leben. Ihre gefühlvollen, facettenreichen Texte handeln von Geborgenheit, Sehnsucht, der Suche nach dem eigenen Platz in der Welt und davon, was es bedeutet, füreinander da zu sein. Julia Engelmann regt zum Nachdenken an und macht Mut, ihre Zeilen sprühen vor Energie und Lebensfreude und berühren das Herz.

Danke an den Verlag für das Zusenden eines Rezensionsexemplars. Dieser Umstand hat keinen Einfluss auf meine ehrliche Meinung.

 

Erscheinungsdatum: 17. September 2018

Seitenzahl der Printausgabe: 160

Verlag: Goldmann Verlag

ISBN-13: 978-3442488544

ISBN-10: 3442488540

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Angaben zur Autorin

Julia Engelmann wurde 1992 geboren und wuchs in Bremen auf. Schon früh nahm sie an Poetry Slams teil. Ein Video ihres Vortrags »One Day« beim Bielefelder Hörsaal-Slam wurde zum Überraschungshit im Netz und bisher millionenfach geklickt, gelikt und geteilt. Neben dem Slammen gilt ihre Leidenschaft der Musik. Ihre Poetry-Bücher, darunter »Eines Tages, Baby«, sind Spiegel-Bestseller.

Rezension – Von Liebe und anderen Unwägbarkeiten, von Vermissen und Verstehen

In »Keine Ahnung, ob das Liebe ist« offenbart uns Julia Engelmann viel Persönliches. Zeigt uns eine sehr tiefgründige und verletzliche Seite. Gerade das macht ihre Stärke aus. Ihre Worte haben nicht nur Klang, sondern vor allem auch Kraft und Gehalt. Spenden Trost, wo er notwendig ist. Zaubern ein Lächeln ins Gesicht, wo Trauer oder zu starke Ernsthaftigkeit herrschen. Immer garniert mit einer klaren Botschaft. Sie bestärkt das Vertrauen in sich selbst. Dass es okay ist, einmal nicht zu wissen, wie es weitergeht. Zweifel gehören zum Leben dazu – ebenso wie Abschiede, Talfahrten und Hürden. Im gleichen Maß beleuchtet sie aber auch die schönen Dinge im Leben, macht Mut, schenkt Liebe und Hoffnung. Ihre Worte sind wie ein Song, der sich in unser Herz schleicht und mit seiner Lyrik und Poesie tief bewegt. Der uns an die Hand nimmt und lehrt, einfach mal dem Moment und uns selbst zu vertrauen. Man muss nicht immer alles gleich wissen, nicht allem seinen Namen geben. Oft reicht es auch einfach aus, es zu fühlen und zu wissen, dass es da ist.

Julia Engelmann zeichnet mit ihrer Poesie sprachlich wundervolle, neue Bilder. Schafft eine Komposition ungewohnter Vergleiche, die ihre Sprache umso lebendiger erscheinen lassen.

Teilweise simpel und doch so tiefgründig, teilweise sehr komplex und doch direkt ins Herz gehend. Mit alten Strukturen brechend, dabei dennoch Traditionen vertrauend und zugleich sprachlich Neues wagend. Sie bleibt ihrem Stil mit Buch vier treu und lässt diesen gleichzeitig wachsen. Es ist einfach ein Gesamtkunstwerk. Außen optisch schlicht und edel zugleich, innen ergreifend geschrieben. Und zudem passend illustriert, denn es gibt auch noch wirkliche Zeichnungen, von der Autorin selbst gestaltet, die das Geschriebene perfekt untermalen und vermitteln. Auch hier wieder ein wundervolles Zusammenspiel von Bild, Text und Botschaft, eine Komposition des verschriftlichen Poetry-Slams, der die Seele der Leser berührt. Sie streichelt und zum Tanzen durch Julias Worte verführt. Worte, die lehren, anecken, wach rütteln, zurechtrücken, fordern, trösten, fördern, lieben, verstehen, überzeugen, Fragen aufwerfen, Antworten geben, an die Hand nehmen – und die sagen: Du bist okay so, wie du bist. Mehr als das, du bist wunderbar.

»Aber immer, wenn du bei mir bist, hör ich auf, dich zu vermissen.«

(©Julia Engelmann)

Ich wollte nur mal kurz reinlesen, als das schmucke Büchlein bei mir ankam. Zwei Stunden später hatte ich es durch und damit auch eine Achterbahn an Gefühlen. Ich habe geweint, vor allem bei dem Gedicht an ihre Mutter, weil es mich meiner, die ich so sehr vermisse, wieder ein ganzes Stück nähergebracht hat. Ich habe gelacht, aber vor allem geliebt. Und am Ende fühlte es sich wie ein Wiedersehen und Nachhausekommen an. Ich bin sicher, dieses Buch wird mir noch oft das ein oder andere Stündchen versüßen.

Julia Engelmann dichtet so bildgewaltig, so emotionsgeladen – wie ein Sommersturm, der dich aufrüttelt und am Ende mit einem warmen Sommerregen samt vereinzelten Sonnenstrahlen und dem Regenbogen des Lebens versöhnt. Ihre Werke – ich liebe sie bisher alle – sind nicht nur Werke, sie sind der Inbegriff des Seins, des Lebens, des Lesens. Ein Gefühl, das sich kaum in Worte fassen lässt, und doch ist genau ihr das gelungen.

»Und auch wenn ich mal nicht da bin, und auch wenn nicht alles einfach ist, sollst du einfach wissen, dass du immer meine Heimat bist.«

(©Julia Engelmann)

Sie sprühen vor Tiefe, Gehalt und bedingungsloser Liebe, spielen in diesem Fall mit dem Titel des Buches selbst und zeigen doch genau das: Das Werk ist die große Liebe ans Leben, ans eigene Ich – mit all seinen Hochs und Tiefs, Hürden und Talfahrten. Ihr merkt, ich wiederhole mich, aber es ist einfach so wahr!

Übrigens, der Humor bleibt dabei nicht auf der Strecke, ernste Themen werden mit Leichtigkeit gefüllt. Vermeintlich Leichtes bekommt durchdringende Tiefe und Ernsthaftigkeit verliehen.

»Keine Ahnung, ob das Liebe ist« ist für mich eine Reise durchs Leben samt 'Sich-verlieren' und einer Prise Selbstfindung. Ist wie ein Spiegel, der mir alle Seiten dessen zeigt, was ich so oft nicht sehen kann. Ich denke, der Text holt jeden irgendwo und auf seine ganz eigene Weise ab.

Julia Engelmann lässt einem das Herz gesunden und die Welt mit offeneren Augen sehen. Sie regt zum Nachdenken an, wühlt auf und glättet Wogen. Ich habe mich wiederverliebt in die Tiefe und Bewegkraft ihrer Worte.

Von mir eine klare Leseempfehlung. Das perfekte Geschenk, der perfekte Reminder, sich selbst zu lieben. Einfach das Buch für die kleinen Momente dazwischen und das Hier und Jetzt.

Eure Jil Aimée