Rezension: Racheengel küsst man nicht – Rose Snow

30.11.2014 19:42

Kurzbeschreibung:

Manchmal findet man die Liebe. Auch wenn man nicht nach ihr sucht.

Für Rachel zählt nur eines im Leben: Gerechtigkeit. Um für diese zu sorgen, betreibt sie eine kreative Racheagentur - und zahlt es Fremdgehern und Betrügern im Leben ihrer Klienten so richtig heim. Dumm nur, als sich plötzlich einer ihrer eigenen Mitarbeiter gegen sie wendet und Rachel selbst Opfer eines heimtückischen Racheakts wird. Denn nun muss sie Hals über Kopf zu einer abenteuerlichen Reise aufbrechen, um ihr Lebenswerk zu retten. Das wiederum funktioniert nicht ganz ohne Hilfe - und Rachel muss dafür ausgerechnet den Mann fragen, den sie auf den Tod nicht ausstehen kann ...

Angaben zum Autor:

Rose Snow ist das Pseudonym zweier liebenswerter Österreicherinnen, die schon seit Kindheitstagen gemeinsam Geschichten schreiben. "Was sich liebt, das rächt sich nicht" ist der erste Band ihrer neuen Liebesromanreihe, die auf Witz und Skurrilität setzt und für Herzklopfen sorgt. Mit ‚Racheengel küsst man nicht‘ schaffen sie eine an den ersten Teil anknüpfende Fortsetzung.
Mehr dazu unter http://www.rosesnow.de.

 

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Mit ‚Racheengel küsst man nicht‘ ist den Mädels von Rose Snow eine beeindruckende Fortsetzung zu ‚Was sich liebt, das rächt sich nicht‘ gelungen, die ich sehnlichst erwartet habe. Ähnlich wie beim ersten Roman wird man auch hier wieder absolut von der Komik, dem Charme und der Skurrilität der Geschichte und ihrer Charaktere eingenommen, die einen in einen farbenfrohen Strudel voller Emotionen ziehen und nicht mehr loslassen. Wenn es möglich ist, noch mehr zu lachen und mich noch glücklicher zu fühlen, als bei Teil 1 schon, dann ist mir dies hier gelungen. Das Schöne an dieser Geschichte ist, dass die Leser in deren Entwicklung miteinbezogen wurden. So konnte man vorab bei www.rosesnow.de darüber abstimmen, von wem man gerne in einer Fortführung Genaueres lesen wolle. Ich erinnere mich noch an meine Worte in der Rezension zu ‚Was sich liebt, das rächt sich nicht‘:

„Also absolute Leseempfehlung von mir. Meinen Lieblingscharakter beschreibe ich Euch diesmal bewusst nicht, denn ich möchte, dass ihr ihn ganz unvoreingenommen kennenlernt, meinen lieben Gérard.“ (Jil Aimée zu Gérard)

Umso schöner war es zu lesen, das ihm eine besondere Stellung in Teil 2 eingeräumt wurde. Lest selbst, denn es wird sich lohnen.

 

Nun aber erstmal zur Geschichte:

Zunächst geht es in der Fortsetzung um Rachel, die Leiterin der Racheagentur, die wir schon aus Mayas Geschichte kennen. In Rachels Familie steht eine große Hochzeit an, der sie beiwohnen soll. Und das am besten natürlich mit Partner, um das Ansehen gesteuerte Bild der Familie zu wahren. Schade nur, dass Rachel keinen Partner hat, etwas verkorkt wirkt und sich über ihr ‚Brötchen-verdienen‘ sogar bei ihrer Familie in einem Wirrwarr aus Lügen verirrt. Etwas, das sie mir persönlich sehr charmant gemacht hat, wenn auch auf nahezu ungewöhnliche Weise. Zudem ist sie vollends von der Arbeit ihrer Agentur eingenommen und berufsbedingt dem männlichen Geschlecht gegenüber mehr als nur misstrauisch gesinnt. Ein weiterer Punkt der dem Thema

„Aber wie willst du ohne Begleitung erscheinen? Das wäre ein Skandal, Rachel. Ein Skandal.“

einen bitteren Beigeschmack liefert. Aber so ist das Leben nun einmal: Es lässt sich nicht jeder zufrieden stellen. Das muss auch Rachel lernen. Manchmal gibt es eben auch Rückschläge privater sowie beruflicher Natur. Zudem geht es genau dort, an ihrem Arbeitsplatz, gerade drunter und drüber. Sie hat einen neuen Fall, der es in sich zu haben scheint und sie in die Arme eines uns ebenfalls bereits Bekannten treibt: Gérard. Dass sie diesen natürlich überhaupt nicht ausstehen kann, da er ja quasi das Sinnbild allen Übels ist, das sie an der Männerwelt verabscheut und Grund dessen sie ihr Rachegeschäft erst aufgenommen hat, macht die ganze Geschichte nicht gerade leichter. Und Auftrag ist manchmal eben nicht gleich Auftrag.

Zu allem Übel allerdings sind dies nur Kleinigkeiten im Vergleich zu dessen, was ihr eigentlich bevorsteht: Ein eifersüchtiger und gegen sie arbeitender Mitarbeiter, der alles in seiner Macht stehende dafür tut, Rachel ihrer beruflichen Existenz zu berauben und somit aber auch ihr Privatleben zu zerstören. Berufliches und Privates gehen eben beständig in einander über und lassen sich nur schwer trennen. Dies wird auch Rachel im Laufe der Geschichte merken. Jener Mitarbeiter torpediert aktuelle Fälle ihrer Agentur und zerstört das Vertrauen der Klienten in diese. Um aber diesem zerstörerischen, aus eigenen Reihen entstehendem, Chaos entgegenwirken zu können, wird es für Rachel unabdingbar, Gérard um Hilfe zu bitten und mit ihm quer durch die Republik zu reisen. Das wird ein Trip der nervenzehrend, chaotisch und doch auch gefühlvoll für die beiden wird, denn sie entwickeln sich beide weiter. Manchmal aufgrund der Geschehnisse mit denen sie konfrontiert werden und manchmal auch den neuen Bekanntschaften, so zum Beispiel mit dem hübschen Julius, geschuldet sind.

Wird sie diese Hilfe bekommen? Kann sie Gérard wirklich vertrauen und aus ihrem eigenen Misstrauen ausbrechen? Und wie wird diese Reise durch Deutschland werden, wenn man zu zweit auf so engen Raum gezwängt ist und doch lieber Meilen zwischen einander schieben würde? Lest selbst!

Schafft Rachel es, ihre Agentur innerhalb nur weniger Tage vor dem totalen Absturz zu retten und das Vertrauen ihrer Kunden in ihre Fähigkeiten wieder zu bekräftigen? Aber viel wichtiger als all diese Fragen ist doch jene: Wird Rachel noch rechtzeitig einen Begleiter für die Hochzeit finden? Und wenn ja, wer wird ihr Prince-Charming sein? Oder wird sie gar allein ganz nach ihrer Mutter für DEN SKANDAL schlechthin sorgen? Und wer ist eigentlich Julius? Lest selbst!

All dies sind Fragen, deren Antworten ihr auf charmante, spannende und lustige Weise in dieser Geschichte finden werdet. Manchmal vielleicht, wie ihr sie erwartet und oft doch absolut überraschend und von Wendungen durchzogen. Aber immer ehrlich, offen und richtig. Wenn ihr lest und euch auf dieses Abenteuer einlasst, dann werden euch diese regelrecht entgegenspringen, da ihr der magnetischen Anziehungskraft der bunten, bildhaften Worte und Geschehnisse nicht entkommen könnt. Diese Geschichte nimmt euch mit auf eine Reise unvergesslicher Natur. Packt gut dafür ein und denkt an euren Fotoapparat, denn ihr werdet viele Momente festhalten wollen. So ging es zumindest mir. Es gibt einfach unglaublich viele Lieblingsmomente, die ich nicht mehr loslassen möchte.

 

Mit der Fortsetzung ihres Debuts bleiben Rose Snow ihrem unverwechselbaren und unverblümt ehrlichen Schreibstil absolut treu. Die Geschichte um Rachel und Gérard ist urkomisch und vereinnahmt einen gleichermaßen mit Tiefgang, einem Regenbogenspektrum an Gefühlen und hingebungsvoller Detailverliebtheit, was das Rachegeschäft an sich angeht. Denn darüber erhalten wir einen umfassenden Einblick. Wir erfahren mehr über die Beweggründe, die einen Menschen zur Rache treiben, aber auch über den schmalen Grat, den es dabei zu beachten gilt, wenn man selbst diese Dienstleistung anbietet.

Es ist nicht nur ein schmaler Grat zwischen Rechtschaffen und potenzieller Nicht-Legalität, nein es ist auch ein Geschäft, das an den eigenen Nerven zu ziehen vermag.

„Das hört sich dramatisch an. Wollen Sie nicht doch lieber meine Seele nehmen?“

Für Rachel bedeutet dies eine Gratwanderung zwischen der Gefahr, sich selbst zu verlieren und weiter zu verkorken oder wieder voll und ganz in ein Leben voller Gefühle und Liebe zurückzufinden. Einer Welt der sie aber nur entgegentreten kann, wenn sie lernt ihre ach so eisernen Regeln, derer sie sich im täglichen Rachegeschäft bedient um nicht die Orientierung zu verlieren, einfach auch nur Regeln sein zu lassen.

„Gefühle abstreifen, tief Luft holen und Fokus auf die wichtigen Dinge.“

Besonders hervorheben möchte ich aber auch die Namensgebung für die Charaktere. Ich musste so viel lachen und sage daher nur ‚Hut ab Miss Sleepingpill. Das ist so herrlich bildlich, das man gar nicht anders kann, als zu denken, direkt dabei zu sein. Ebenso auch die Stelle, in der Männer als Kunstobjekt abgestempelt werden. Und wenn wir mal ehrlich sind, Gérard ist schon ein künstlerisches Meisterwerk an sich, in dessen optischen Genuss wir alle gerne kämen. Eine so bildliche Sprache macht es dem Leser einfach, sich ins Geschehen hineinziehen zu lassen und sich in die gesamte Geschichte zu verlieben. Darüber hinaus gefiel mir auch gut, dass Gérard trotz seines vorgefertigten 'negativen' Bildes von Rachel, innerhalb der Geschichte lernt, dass sie auch Amor spielen kann und sich somit der beiden Beziehung unterbewusst weiterentwickelt und sie beide von ihren Extrempositionen abrücken. Genauso, wie Rachel bewusst wird, dass in Gérard mehr als nur de oberflächliche Macho lebt. Ja, dass sich etwas tiefer hinter der Fassade ein sehr einfühlsamer Mann verbirgt. Das schöne 'was sich liebt, das neckt sich' macht es dabei so herrlich charmant, unkompliziert und angenehm ihnen quasi zuzusehen, wie sie sich gegenseitig anziehen, auch wenn sie sich das nicht eingestehen wollen. ‚Racheengel küsst man nicht‘ ist einfach packend, fesselnd und steht dabei dem ersten Teil in Nichts nach. Es ist ebenso lustig, skurril und absolut ehrlich.

Ein erneutes Feuerwerk der Gefühle und korkenknallendes Spektakel mit der nötigen Prise knallharter Ehrlichkeit, aber auch ganz viel Gefühl.

--Jil Aimée