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Rezension – Schatten der Toten – Elisabeth Herrmann

07.04.2019 21:48

#Werbung #Presseexemplar #leichteSpoilerwarnung

 

Kurzbeschreibung

Judith Kepler kennt den Tod wie wenige andere – denn sie ist Tatortreinigerin. Gerade beginnt sie, über ihr weiteres Leben nachzudenken: Ihr Chef will, dass sie die Firma übernimmt, und ihre Beziehung zu einem Waisenmädchen entwickelt sich auf unerwartete Weise. Doch dann stirbt Eva Kellermann, eine frühere Stasi-Spionin. Ihr letztes Geheimnis setzt eine tödliche Jagd in Gang, auf einen der größten Verbrecher dieser Zeit: Bastide Larcan. Er ist Judiths Vater – der so viel Leid verursachte und sich nie dafür verantworten musste. Seine Spur führt nach Odessa, und Judith muss sich entscheiden: für ihr Leben oder für eine Reise in die Vergangenheit, in der die Schatten der Toten sie erwarten …

An dieser Stelle danke ich dem Goldmann Verlag für das Bereitstellen eines Besprechungsexemplars. Dieser Umstand hat keinerlei Einfluss auf meine neutrale und ehrliche Beurteilung des Werkes.

 

Erscheinungsdatum: 11. März 2019

Seitenzahl der Printausgabe: 672

Verlag: Goldmann Verlag

ISBN-13: 978-3-442-31392-1

 

Angaben zur Autorin

Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Sie machte Abitur auf dem Frankfurter Abendgymnasium und arbeitete nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman "Das Kindermädchen" ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Vernau sehr erfolgreich mit Jan Josef Liefers vom ZDF. Elisabeth Herrmann erhielt den Radio-Bremen-Krimipreis und den Deutschen Krimipreis. Sie lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

 

Rezension – Von der Tatortreinigerin zum (Beinahe-) Opfer – ein turbulenter Spionagethriller, der die Schatten der Vergangenheit ins Licht der Gegenwart holt

Vorab muss ich gestehen, dass der Thriller »Schatten der Toten« mein erstes Buch von Elisabeth Herrmann war, weshalb ich mich ganz naiv direkt in die Geschichte gestürzt habe. Erst im Verlauf des Buches wurde mir klar, dass es eine Vorgeschichte geben muss, da es immer wieder einen Querverweis auf diese gab, was für das Leseverständnis jedoch kein Problem darstellte.

Zur Geschichte selbst:

Judith Kepler ist Tatortreinigerin und damit im Großen und Ganzen auch zufrieden – wäre da nicht ihr unbändiger Wunsch, ihren Vater, einen früheren Stasi-Spion, zur Rede zu Stellen. Dies gestaltet sich recht schwierig, da dieser inzwischen unter dem Namen Bastide Larcan sein Unwesen im Untergrund treibt und als gefürchteter Waffenhändler gilt. Das hält sie jedoch nicht davon ab, jede Möglichkeit zu nutzen, ihn aufzuspüren.

Als Quirin Kaiserley, ein ehemaliger Spion der BRD, sein neues Buch veröffentlicht, wird Judith von ihrer Vergangenheit eingeholt. In dem Buch wird die misslungene Operation Saßnitz 1984 aufgearbeitet, bei der Bastide Larcan, ehemals Richard Lindner, mit seiner Familie in den Westen geleitet werden sollte – im Austausch für eine Liste der wichtigsten Stasi-Spione.

Gleichzeitig liegt Eva Kellermann im Sterben, eine ehemalige BND-Sekretärin, die von Lindner damals verführt worden war, um an geheime Informationen zu gelangen. Diese beiden Ereignisse führen dazu, dass sich Judith plötzlich in einem Umfeld von Ex-Agenten der BRD, der DDR sowie verdeckten Ermittlern und Agenten des BND wiederfindet. Zunächst hält sie das noch für Zufall, da ihre Aufmerksamkeit auf zwei andere Ereignisse gelenkt wird: Ihr Chef Dombrowski wird ins Krankenhaus eingeliefert, weshalb sie das Geschäft leiten muss. Gleichzeitig schwebt Tabea in Lebensgefahr, die ihr in der Vorgeschichte ans Herz gewachsen ist. Als plötzlich deren Vater Frederick in Berlin auftaucht und von einer ehemaligen BND-Agentin aufgesucht wird, ist ihr Interesse geweckt.

  • Was hat er mit dem BND zu tun und warum kümmert er sich nicht um seine Tochter?

Nach etwas Recherche und der Begegnung mit einem weiteren Bekannten aus der Vergangenheit findet sie heraus, dass es einen Waffenhandel im ukrainischen Odessa geben soll. Zufälligerweise wurde ausgerechnet dort zuletzt auch Bastide Larcan, ihr Vater, gesichtet. Nun muss Judith eine wichtige Entscheidung treffen:

  • Wird sie ihren Verpflichtungen gegenüber ihrem Chef und Tabea gerecht, oder soll sie den Spuren zu ihrem Vater folgen?
  • Welches Risiko geht sie in einem undurchsichtigen Netz aus Motiven, Intrigen und (falschen) Informationen ein und welche Rolle spielt sie im Dickicht aus BND, KGB, Stasi und radikalen Vereinigungen wirklich?

Nun, diese Fragen müsst ihr euch selbst beantworten, indem ihr das kurzweilige Buch von Elisabeth Herrmann lest.

Zusammengefasst ist es ein spannungsgeladener Thriller, der sich gut lesen lässt und verschiedene Handlungsstränge zu einem Höhepunkt zusammenführt. Auch wenn für mich der Zusammenhang der Hauptcharaktere schnell klar war, war die Spannung dadurch nicht gemindert vorhanden. Was mich etwas verwundert hat, war die Vielzahl an Handlungssträngen und Verzweigungen, die m. E. nicht alle notwendig gewesen wären, um den Leser an der Nase herumzuführen: Durch den Rückblick zur Operation Saßnitz sowie zur Vorgeschichte, den Kompetenzkampf zwischen BND und Verfassungsschutz, den Verbindungen zwischen den Radikalen und den Ukrainern, den immer noch schwelenden Kräftemessen zwischen Ost und West und den persönlichen Motiven der Hauptpersonen, gab es für meinen Geschmack zu viele Einflüsse. Ein wenig reduzierte Komplexität hätte dem Buch sicherlich nicht geschadet, dem Leser aber einen einfacheren Einstieg und bessere Nachvollziehbarkeit verschafft.

Sprachlich ist das Buch sehr gelungen, die Personen beschreibt Herrmann sehr ausführlich und bildhaft. Die Wortwahl in den Dialogen schärft die Eigenschaften der Charaktere und unterstützt dessen Eigenheiten, was sie sehr authentisch werden lässt. Als Stilmittel sind immer wieder scheinbare ukrainische (Dialekt)Wörter eingebaut wie »frantsuz«, »lider« oder »bulteryer«. Der Google Übersetzer konnte mir keinen einheitlichen Sprachursprung nennen, weshalb ich davon ausgehe, dass die Wörter frei gewählt wurden, um den Franzosen Bastide Larcan, den Leader Oleg und den Bullterrier Mikhail in dem Part des Handlungsstrangs in der Ukraine authentischer zu beschreiben, was für mich gut funktioniert hat.

Das Setting in Berlin spielt nur eine untergeordnete Rolle, die Umgebung von Odessa dafür umso mehr. Auch die Orte beschreibt Hermann sehr bildlich, wodurch das Geschehen in der Fantasie deutlich sichtbar wird.

»Die Eiszapfen an den Wäscheleinen – bizarre Kunstwerke, die an Tropfsteinhöhlen erinnerten. Wintergärten, das Holz ausgeblichen und verwittert, die kaputten Scheiben durch Pappkartons ersetzt. Türme, Erker, Labyrinthe aus Hinterhöfen, in denen man sich verlaufen konnte. Und immer wieder die Farben Odessas, abgeblättert, wie pockennarbige Fresken, von Ausblühungen fast gesprengt: Sahnegelb. Babyblau. Prinzessinnenrosa.« (S. 256)

Was ich etwas schade finde, ist, dass das Cover nicht so richtig passt. Es erinnert an einen Ort im Buch, der jedoch etwas anders beschrieben wird. Hier hätte ich mir entweder einen stärkeren Bezug gewünscht oder ein Cover, das den Titel mehr aufgreift. Auch im Vergleich zu den Covern der anderen Bücher finde ich es nicht ganz so ansprechend oder catchy. Aber das ist Geschmackssache.

Insgesamt betrachtet ist »Schatten der Toten« von Elisabeth Herrmann ein sehr gut geschriebener und komplexer Thriller, der (obwohl der dritte Band einer Reihe) auch einzeln wunderbar funktioniert. Für Fans von Spionagethrillern ein guter Lesetipp.

 

 Euer Jens

Rezension – Das Honigmädchen – Claudia Winter

20.03.2019 21:28

#Werbung #Presseexemplar

 

Kurzbeschreibung

Die alleinerziehende Camilla kämpft an allen Fronten: Täglich muss sie sich im väterlichen Delikatessenhandel beweisen, während ihre fünfzehnjährige Tochter Marie gegen sie rebelliert. Und dann wird sie auch noch nach Südfrankreich geschickt, um mit einer Honigmanufaktur zu verhandeln – im Gepäck das tobende Mädchen und ihren nervtötenden Nachbarn, der sich ihnen spontan angeschlossen hat. Kein Wunder, dass sich das pittoreske Bergdorf Loursacq zunächst als wenig heilsam für die angespannten Gemüter erweist. Doch Camilla krempelt die Ärmel hoch – und lernt zwischen Tomatenstauden, Rebstöcken und Olivenbäumen, dass die guten Dinge im Leben erst dann auf zarten Flügeln herbeifliegen, wenn man bereit für sie ist …

An dieser Stelle danke ich dem Goldmann Verlag für das Bereitstellen eines Besprechungsexemplars. Dieser Umstand hat keinerlei Einfluss auf meine neutrale und ehrliche Beurteilung des Werkes.

Erscheinungsdatum: 18. März 2019

Seitenzahl der Printausgabe: 448

Verlag: Goldmann Verlag

ISBN-13: 978-3442485741

ISBN-10: 3442485746

Hier gehts zum Buch: Goldmann Verlag / Claudia Winter / Facebook

 

 

Angaben zur Autorin

Claudia Winter, geboren 1973, ist Sozialpädagogin und schreibt schon seit ihrer Kindheit Gedichte und Kurzgeschichten. Als Tochter gehörloser Eltern lernte sie bereits mit vier Jahren Lesen und Schreiben, gefördert von ihrem Vater. Vor "Aprikosenküsse" hat sie weitere Romane sowie diverse Kurzgeschichten in Anthologien veröffentlicht. Ihr neuer Roman "Glückssterne" erscheint am 12. Dezember 2016 im Goldmann Verlag, Random House.
Ihre frühen Werke sind in Neuauflage unter dem Pseudonym "Carolin Wunsch" erschienen.

Die Autorin lebt mit ihrem Mann und den Hunden Kim und Luka in einem kleinen Dorf nahe Limburg an der Lahn.

Kurzmeinung

Atemberaubende Kulisse meets grandiose Charakterentiefe und eine beeindruckende Storydichte. Ein Buch, das mein Herz höher- und schneller schlagen ließ. Plus: Ganz viel Bonusmaterial für den Leser. Rezepte zum Nachprobieren und Insiderinfos ins provenzalische Leben. Mein #mustread des Frühlings.

Rezension – Von wundersamen Wegen und dem Summen der Bienen sowie der Erkenntnis: Alles hat seine Zeit!

Was wenn man keinen Zugang zu seinem eigenen Kind mehr findet?

Wenn das Leben einem keinen Honig aufs Brot schmiert, sondern diesen zum Verkaufsargument deklariert?

Was wenn das Erbe des elterlichen Betriebs einem den Blick für die wirklich wichtigen Dinge raubt?

Wenn das eigene Bestreben nach Erfolg einem den Weg zur Liebe versperrt?

Was wenn man sich alleingelassen und missverstanden fühlt?

Wo man doch einfach nur hätte richtig zuhören müssen?

All diese Fragen stellt sich Camilla jeden Tag – und viele mehr. Sie sind das Gerüst ihres Lebens. Die Liebe ist vorbei, nichts als ein mahnender Stachel im Herzen, dass sie alles verloren hat. Ertrunken in Arbeit und Erfolgssucht. Nicht ihrer, doch in der des Vaters ihres Kindes. Gegen Sterne kommt das menschliche Herz wohl nicht an. Camilla ist alleinerziehend und liebt ihre Teenager-Tochter über alles. Versucht jeden Tag durch harte Arbeit, das gemeinsame Leben ein Stückchen besser zu gestalten. Einer Arbeit, die ihr ebenfalls am Herzen liegt, da sie den Erhalt des elterlichen Betriebes sichert. Ein Delikatessenhandel, der an Exklusivität nicht zu übertreffen ist, aber auch schon mal bessere Zeiten gesehen hat …

Sie opfert sich auf, für beide Seiten und wird doch keiner davon gerecht. Die Tochter fühlt sich missverstanden, vernachlässigt, ja von der Mutter ungeliebt und wird zum Rebell. Ihr Vater und die Firma scheinen nicht offen für ihr betriebliches Auge, ihren visionären Weitblick. Camillas Vorschläge zu Kosteneinsparungen und Neukonzeptionierungen werden mit einer simplen Gäste vom Tisch gebügelt.

»Ich weiß bloß, aus welchem Stoff tragische Geschichten gemacht werden.«

(S. 255)

Sie rödelt und rödelt, und kommt doch nirgends an. Verliert sich überdies immer mehr selbst. Ist zunehmend erschöpft, lebt sie doch nur noch für andere und nicht mehr für sich. Die Arbeit ist hart und frustrierend, doch auch Zuhause findet sie nebst der Tochter keine Ruhe. Denn da gibt es diesen neuen Nachbarn – für sie ein Lebemann, wie er im Buche steht –, der ihr nach und nach den Verstand raubt. Bis … ja bis ihr Vater eines Tages die Reißleine zieht und sie samt Tochter zum ertraglosesten Honiglieferanten nach Frankreich schickt. Eine Reise, die einen weiteren unverhofften Begleiter erfährt und die Karten in Camillas Leben neu mischt. An allen Fronten. Es ist eine Reise, die ihr Leben verändern wird … doch wird sie auch ihr Herz heilen und ihr all die Fragen beantworten können, die sie sich tagein, tagaus stellt? Wird Camilla sich selbst wiederfinden und mit ihrer Tochter eine neue Chance erhalten?

 

»[…] obwohl der Schmerz ganz woanders saß. An einer Stelle, wo man blaue Flecken nicht sah.«

(S. 115)

Begleitet sie in das beschauliche französische Örtchen Loursacq, wo die Vergangenheit so nah ist wie die Zukunft und so fern wie das Selbst in der Gegenwart. Ein malerisches Bergdorf, das an Eigenwillen und Charme nicht zu überbieten ist und noch jeden in seinen Grundfesten erschüttert und auf den rechten Weg zurückgebracht hat. So auch Camilla, ihre Tochter und den geheimnisvollen Begleiter? Seid gespannt.

Für mich war Das Honigmädchen von Claudia Winter ein herausragendes Leseerlebnis. Eine so beeindruckende Geschichte, dass ich sie einfach wieder und wieder lesen möchte. Einfach, weil alles gestimmt hat. Von der pittoresken Szenerie, die mich auf eine Reise mitgenommen und fernen Orten so viel nähergebracht hat. Über einmalige Charaktere mit echten Problemen und dem Kampf einer Mutter um die Liebe zur Tochter. Und umgekehrt. Etwas so Natürliches, dass es manchmal im Wahn des Alltags untergeht. Weil wir verlernen, wirklich zuzuhören. Bis zum atmosphärischen und mitreißenden Schreibstil der Autorin, der einen nur so durch die Seiten trägt. Durch und durch ein ruhiges und doch seelenvolles, ein kurzweiliges und doch aus familiärer Sicht spannendes, ein hoch ergreifendes Lesevergnügen. Ein Buch, das für mich seinesgleichen sucht. Dabei schafft es die Autorin nicht nur, das Leben der einzelnen Charaktere und Nebencharaktere rund und authentisch zu skizzieren, sondern der Geschichte an sich auch eine brisante und hoch aktuelle Note zu verleihen: das Leben der Bienen. Wir alle wissen es, die Welt braucht sie und wir müssen ihren Lebensraum wahren. So kleine, zunächst unscheinbare Lebewesen, die so voller Wissen und Kraft stecken. Die unserer Welt guttun. Eine Welt, die wir zu oft zu nachhaltig zerstören. Frau Winter verdeutlich auf leichte und doch wachrüttelnde Weise, was es braucht, uns dem wieder zu nähern, was wirklich wichtig ist. Sei es das Leben der Bienen, die Beziehungen in einer Familie oder das eigene Glück. Sie weckt auf, regt zum Nachdenken, vor allem aber zum Handeln an. Und dies alles verpackt in eine wunderbare, atmosphärisch dichte Geschichte, die lange nachhallt.

Für mich ist das Honigmädchen eine Hommage an das Leben in all seinen Facetten, ein Liebeslied an die Bienen, die Schönheit der Natur. Eine unglaublich schöne, gehaltvolle und wohltemperierte Lebens- und Wohlfühlgeschichte, die mich in genau der rechten Zeit erreicht hat. Mir etwas Leichtigkeit in mein Leben zurückgegeben hat. Und genau dafür sind Geschichten doch da.

Das Honigmädchen ist all das und noch so viel mehr. Ich kann euch dieses Buch, wie jeden Winter, nur absolut empfehlen. Jedes in seiner Art ist wundervoll und wenn ich schon nicht mehr weiß, wie die Autorin es noch toppen will, sie schafft es immer wieder und liefert einfach ab und überrascht – mit neuen Wendungen, einzigartigen Ideen und so viel Liebe zum Detail.

Ich wünsche euch viel Spaß damit.

 

Eure Jil Aimée

 

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